Johann de Terre
| Mein Name lautet Johann, Johann de Terre um genau zu sein. Ich bin heute hier, um euch über mein Leben und Leid zu kunden. Ich ward geboren in einer heißen Sommernacht, am dritten Tage nach dem vollen Mond. Ihr würdet es wohl auf die Nonnen des Juli im Jahre des Herrn 1179 datieren. Meine Mutter Hjalda schenkte mir das Leben in einem kleinen Dorfe, namens Combourg. Mein Vater wurde Ludwig gerufen, leider lernte ich ihn niemals kennen, da er kurz nach meiner Geburt verstarb. So wuchs ich bei meiner Mutter und meinem Großvater auf. Mein Großvater war ein weiser Mann und er lehrte mich die Traditionen der Normannen. Oft saß ich bei den alten Männern des Dorfes am Feuer und lauschte ihren Geschichten über die Erdenscheibe und die Götter. Sie sprachen oftmals über die Wunder die uns die Natur bietet.
Doch meine Mutter versuchte mir, im Gedenken an meinen Vater, auch die Lebensweisen der Franken und dem Christlichen Glauben nahe zu bringen. In meiner Jugend wurde ich von ihr oft zum nahen Kloster geschickt, um dort etwas über Glauben und Lebensweise der Christen zu erfahren. So gutherzig die Versuche meiner Mutter waren und je mehr sich mein Großvater bemühte, um so mehr wuchs in mir der Zwiespalt, wo ich nun hingehören würde. Von den anderen Kindern wurde ich oft als Frankenbastard bezeichnet, was mein Herz mit Trauer füllte. So beschloss ich, im Alter von 13, meine Heimat zu verlassen und mein Glück zu suchen und, mich genauso wie es mein Vater tat, als Söldner zu verdienen. Schnell fand ich einen Herrn, der mein eher mäßiges Talent entdeckte und mich in eine Feldzug in die Grafschaft Geldern brachte. Dort wurde ich im Kampfe schnell verletzt, Thor sein dank nicht schwer, so dass ich alsbald wieder damit begann mich an die Feuer der alten Recken zu setzten und ihren Geschichten zu lauschen. Die nächsten sechs Götterläufe brachten mich immer weiter gen Osten, ich zog von Dorf zu Dorf und kämpfte mal hier mal da. Doch immer wieder folgte ich meiner Leidenschaft den alten Geschichtenerzählern und Scholasten zu lauschen. So wuchs mehr mein Wissen als meine Kampfkraft, doch ich wollte, meinem Vater zu liebe, weiter in den Kampf ziehen. So wie mir die Benediktiner in Odilienberg sagten, war es das Jahr der Herrn 1199, als ich mich weiter nach Osten durchschlug und den mächtigen Rhein überquerte und mich bei den Herren von Broche verdiente. Und dort geschah es. Ich lernte Carolina kennen. Eine junge, wunderschöne Magd und im Winter des selben Jahres entbrannte die Liebe in uns. So blieb ich über vier Jahre an der Hellwegfurt in Broche. Während dieser Zeit konnte ich meine Kampfkunst nur wenig schulen, aber weiter meine Sammlung an Geschichten erweitern. Und schon bald begann ich den Kindern und Angestellten am Hofe meines Herrn auch Geschichten über den einen Gott und die anderen Götter zu erzählen. Auch kundetet ich ihnen von den Ländern und Leuten die ich traf. Mein Herr sah dies mit wohlwollen und schickte mich oft zu den Gelehrten. Ich habe bis heute nicht gelernt mit dem Federkiel um zu gehen, aber trotzdem habe ich viel erfahren. Ihr fragt euch nun wie ich diese Geschichte zu Papier bringe und ich muss euch sagen, gar nicht. Ich erzähle sie einem alten Freund, der die Gnade hat sie aufzuzeichnen. Im Frühling des Jahres 1203 geschah es dann, mein Förderer in Broche verstarb und sein Nachfolger sah mich mit meinen heidnischen Geschichten nicht gern. So war es mir möglich für die wenigen Münzen die ich besaß, Carolina aus den Diensten heraus zu kaufen und wir beide zogen weiter gen Osten. Nur wenige Wochen später traf ich, den edler Herrn aus dem Siepental mit seinem Gefolge. Dieser erlaubte mir die Mitreise und ich lernte den Herrn Roland von Hagen kennen. Dieser engagierte mich als Söldner. Somit kam ich zum Ritterbund der Hellweg – Wölfe. Im Sommer des Jahres 1203 stellte ich mein Schwert in den Dienst des Herrn von Hagen und alsbald musste ich meine Kampfkunst in beweis stellen. Glücklicher Weise gelang es mir meinen Gegner zu besiegen und so blieb ich von einem allzu schnellen Tode verschont. In den weiteren Monden geschah nicht viel, ich zog mit den Rittern und meiner geliebten Carolina durch die Ländern und übte mich mehr schlecht als Recht im Kampfe. Bei einem Trainingskampf im Winter 1204 verletzte ich mich erneut, diesmal war es der Rücken der mich in die Knie zwang. Leider war mein Herr bislang kinderlos geblieben und auch war sein Gefolge recht klein, so dass ich meine eigentliche Stärke als Geschichtenerzähler nicht mehr zu Vorschein bringen konnte. Und so entschloss ich mich nun im Sommer 1204 mein Schwert in den Dienst der Herrn von Wolferode zu stellen. Dieser erkannte schnell meine Stärke und so erzähle ich seinen Angestellten und den Kindern an seinem Hofe von meinen Erfahrungen. Ich hoffe nun, dass ich mit meiner Geliebten nun endlich ein zu Hause gefunden habe. Im Jahre des Herrn 1204, dies mercuri, September |







